Neuigkeiten aus dem Landhotel

Das Landhotel Voshövel wächst und sucht Mitarbeiter

15.02.2017

Quelle: NRZ // Text: Julia Müller

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Warum es so schwierig ist, Arbeitskräfte für die Hotellerie zu gewinnen. Ein Besuch in Schermbecks Landhotel.

Morgens halb zehn im Voshövel. Die Küche brummt. Es wird gerührt, gespült, geschnibbelt – und gelacht. Wenn Ernst Feldmann so weiter macht, gibt es gleich allerdings Tränen. Denn fürs Foto macht er, der dem Landhotel seit 30 Jahren treu und die gute Seele der Küche ist, Faxen mit Azubi Max Berger. Dabei lässt Feldmann das scharfe Messer blitzschnell über die Pastinaken sausen und grinst gleichzeitig in die Kamera. Puh, die Aktion ist gut gegangen.

Länger wollen wir den Betrieb in der Küche aber nicht aufhalten, denn die Zeit drängt. Hungrige Gäste warten. Zum Glück ist aktuell ausreichend Personal da, um die Kundschaft satt und zufrieden zu machen.

Schlechter Ruf der Gastonomie

Dass alle nötigen Stellen besetzt sind, ist in der Branche alles andere als selbstverständlich. Davon können Katharina und Christopher Klump ein Lied singen. Die Geschwister, die das Landhotel von den Eltern übernommen haben, kämpfen gegen den schlechten Ruf, der so hartnäckig an den Jobs in der Gastronomie und Hotellerie haftet.

„Wir haben hier niemanden, der 15 Stunden schuften muss“, sagt Christopher Klump. Seine Stimme wird lauter, wenn er über dieses für ihn so emotionale Thema spricht. „Hier bei uns wird jede Minute Arbeitszeit erfasst und auch bezahlt!“

Schwester Katharina hat jüngst auf der Berufsmesse in der Gesamtschule Schermbeck die Werbetrommel für das Hotelfach gerührt. „Das ist so ein toller, spannender Beruf“, sagt die junge Frau, die mit der Gastronomie groß geworden ist. „Natürlich haben wir hier keinen Nine-to-Five-Job, aber die Arbeitszeiten sind lange nicht so schlecht wie sie immer geredet werden.“

Auf der Homepage des Landhotels gibt es ein lustiges Video, in dem Christopher Klump mit den neuen Azubis des Jahres 2016 in voller Montur in den Pool springt. Nein, das soll kein Symbol dafür sein, dass die Branche baden geht. Im Gegenteil: Die Klumps haben sich für die nächsten Jahre vor allem ein großes Ziel gesetzt: „Wir möchten Arbeitsverhältnisse und Bezahlung weiter verbessern.“

Das Voshövel hat in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Schub gemacht – hin zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Region. 140 Angestellte (inklusive Aushilfen und Teilzeitkräfte) hat Katharina Klump im Januar 2017 gezählt. Im Oktober 2015, vor der Eröffnung des neuen Wellnessbereichs „Livingroom Spa“, waren es noch 112.

Die Wellness-Aphrodite lockt Mitarbeiter

Jetzt machen sich die stetigen Investitionen in das Haus auch durch einen immer besser werdenden Ruf als attraktiver Arbeitgeber bezahlt. Das i-Tüpfelchen war die „Wellness-Aphrodite“, der in der Branche höchst begehrte Preis, mit dem die Schermbecker im Herbst für ihr ungewöhnliches Wellness- und Design-Konzept ausgezeichnet wurden. Die unscheinbare gläserne Statue entwickelt sich als Zugpferd für gute Arbeitskräfte.

Wer früher aus der Region abwanderte, um anderswo in hochkarätigen Betrieben zu arbeiten, hat mit dem Voshövel nun eine Adresse mit gutem Namen in der Heimat. Das weiß zum Beispiel Andreas Müggenborg zu schätzen. Vor zwei Jahren bewarb er sich nach Arbeitsstationen in Österreich und der Schweiz als Patissier im Voshövel und konnte so mit seiner frisch gegründeten Familie in die Heimat Dingden zurückkehren. „Damals wollte ich gerne zwei Monate Elternzeit nehmen, damit war Herr Klump sofort einverstanden.“

Über das Verhältnis zu den Mitarbeitern machen sich die Geschwister viele Gedanken. „Wir möchten unser Voshövel-Feeling pflegen“, beschreibt Katharina Klump den Wunsch nach einer familiären Atmosphäre am Arbeitsplatz. Dazu gehört auch, dass jeder Mitarbeiter auf der letzten Weihnachtsfeier einen Gutschein für eine Übernachtung für zwei Personen mit Verpflegung und Wellness bekommen hat. Ambiente, Arbeitszeiten und Bezahlung sollen stimmen. Das ist der Anspruch der Klumps. „Und den können wir nur erfüllen, wenn wir uns nicht unter Wert verkaufen“, sagt Christopher Klump.

Der Landhauschef kann so manchen Gaststättenbesitzer nicht verstehen, der sich nicht traut, zum Beispiel die Schnitzelpreise zu erhöhen, wenn es das Gericht wert ist. „Wenn man zu niedrige Preise hat, kann man doch auch die Mitarbeiter nicht vernünftig bezahlen.“ Sein Appell an die Branche: „Man muss immer investieren, wenn man als Betrieb eine Zukunft haben möchte.“

Kräuterlichtsauna und neuer Hamam

Eine ganze Schublade voller Projekte bis 2020 haben die Geschwister Klump. Einige davon werden gerade umgesetzt. Im März eröffnet die neue Außensauna, nächste Woche bereits ein Hamam und sieben neue Behandlungszimmer. Danach kommt eine Kräuterlichtsauna und die Hotelbar soll komplett umgestaltet werden. Dazu braucht man nicht nur Mut und natürlich Geld, sondern am Ende auch wieder neue Arbeitskräfte. Aktuell wird dringend ein Masseur gesucht, der bereit ist, auch am Wochenende zu arbeiten. Denn das werden die Klumps nicht ändern können – in ihrer Branche wird nun mal dann gearbeitet, wenn andere frei haben.

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